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Fundamentale Wenden an den Aktienmärkten sind selten. Ganz große Wenden, im Fachjargon auch als „Superzyklen“ tituliert, noch viel seltener. Doch es gibt sie, wie ein Blick auf den amerikanischen Aktienmarkts verrät, schreibt Gottfried Urban von der Neue Vermögen AG in seiner Anlagen-Kolumne.
Wer um 1890, 1920, 1950 und zuletzt um 1980 in US-Aktien investierte, konnte nichts falsch machen. Immer am Beginn eines neuen Jahrzehnts glänzte der Markt mit Kursgewinnen von mehreren hundert Prozent. „Kaufen und halten“ funktionierte wunderbar. Vorausgegangen war in allen Fällen ein dramatischer und langjähriger Seitwärtstrend mit großen Einbrüchen der Aktienbörsen.
Erkennbares Muster
Hier lasse sich ein Muster erkennen: etwa alle 30 Jahre beginnt ein neuer „Superzyklus“, eine lang anhaltende Phase stetig steigender Aktienkurse. Auch um 2010 könnte eine solche Zeitenwende anstehen und Aktienanlegern eine Megachance eröffnen, wie es sich jeder Generation nur einmal bietet, so Urban.
Er hofft, dass diese nicht verschlafen wird, denn das Gros der Anleger entdeckte die Aktienmärkte in der Vergangenheit erst sieben bis zehn Jahre nach Beginn des Zyklus. In diesem mittleren Drittel des Zyklus beginnt der Motor des Aktienmarktes aber meist zu stottern, auch wenn es noch eine ganze Weile gut geht. Die letzten zehn Jahre sind dann die Schwierigsten. Danach geht das Spiel wieder von vorne los.
Wie sieht der kurzfristige Rhythmus aus, fragt Urban. Nach extremen Einbrüchen beginnt eine stabile Aufwärtsbewegung immer im gleichen Muster. Im Moment befände man sich in einer solchen Phase, bei der – zumindest in der historischen Betrachtung – keine Korrekturen von deutlich mehr als zehn Prozent auftreten. In den letzten 30 Jahren war dies nach Börseneinbrüchen wie in 1987, 1991 (1. Irak-Krieg), 1994 (Mexikokrise und Zinscrash), 1998 (Russland und Asienkrise) und 2002/2003 (Technologieblase und 2. Irak-Krieg) so. Die Aktienkurse kletterten ohne größere Korrekturen mindestens zwei Jahre in Folge von einem Hoch zum nächsten.
Positive Indikatoren
Angesichts des aktuellen Szenarios historisch niedriger Zinsen, hoher geparkter Liquidität, umfangreicher Konjunkturprogramme und einer Industrie, die sich einem Fitnessprogramm unterzieht, sollte diese Entwicklung umso nachhaltiger ausfallen, ist Urban überzeugt. Dafür würde auch der wachsende Wohlstand der Schwellenländer sprechen, die dank einer günstigen Bevölkerungsstruktur und der verbesserten Bildungssituation ein solides Wirtschaftswachstum aufweisen.
Für einen nachhaltigen Aufschwung an den Aktienmärkten spreche ihm zufolge auch die Tatsache, dass große Investoren ihre Risikoquoten historisch niedrig halten. In der Summe sprechen die erwähnten Punkte dafür, dass wir am Aktienmarkt vor einem neuen Superzyklus stehen, allerdings mit entsprechender Schwankung, aber es gelte für die nächsten Jahre: Zwei Schritte vor und ein Schritt zurück und nicht umgekehrt. (ir)
Quelle: FONDS professionell